Nachhaltigkeit | In der Eichendorffschule Erlangen ackern die Schüler und Schülerinnen nicht nur im Klassenzimmer.
Huhn Tweetie hat an der Eichendorffschule in Erlangen eine neue Heimat gefunden. An ihrem vorherigen Zuhause sei sie von den anderen Hühnern ausgegrenzt worden und hatte mehrere Verletzungen. „Wir haben es viel gestreichelt“, sagt Schülerin Mariell. Schnell hat sich Tweetie dann wieder wohlgefühlt und sich gesundheitlich erholt.
An der Mittelschule sorgen nicht nur die Hühner für Bauernhof-Gefühle. Neben den Tiergehegen befinden sich direkt an der Schule ein Gemüseacker, ein Beerenfeld und mehrere Imkerstöcke. Begonnen hat alles vor ungefähr acht Jahren, als die Schule Teil des Bildungsprogramms von Acker e.V. wurde. Das Sozialunternehmen macht sich für mehr Wertschätzung von Natur und Lebensmitteln stark und unterstützt Einrichtungen dabei, naturnahes Lernen erlebbar zu machen. Dabei sollen Gemüseäcker zu einem Lernort für ökologische Zusammenhänge und gesunde Ernährung werden. In Erlangen sind außerdem eine Kita, eine Grundschule und zwei Gymnasien bei dem Projekt dabei.
„Klein anfangen, groß denken“
An der Eichendorffschule ist Lehrer Erik Brummel, Leiter des Projekts. „Klein anfangen, groß denken“, ist sein Motto. Angefangen hat alles mit einem kleinen Schulacker, über die Zeit kamen dann die anderen Bereiche hinzu. Somit wurden Möglichkeiten für einen interaktiven und praktischen Unterricht geschaffen. „Ich bette Biologie anhand von unseren Tieren in den Unterricht ein“, erzählt Brummel. „Wir wollen projektorientiert lernen. Da geht man statt einer normalen Stunde im Klassenzimmer einfach mal raus.“ Und auch das Thema Tierschutz kommt nicht zu kurz.
Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich wiederum im Fach „Ernährung und Soziales“ mit dem Thema gesunde Ernährung. Beispielsweise haben sie bei einem gemeinsamen Schulfrühstück selbst geerntete und zubereitete Lebensmittel gegessen. Und als kürzlich der Zaun des Hasengeheges erneuert werden musste, haben sie ihre handwerklichen Fähigkeiten ausgetestet. „Wir versuchen, bei der Umsetzung möglichst viele Freiräume zu geben. Das erfordert Kreativität“, so Brummel.
Die fünften Klassen lernen das Schulprojekt jedes Jahr bei zwei Festen – dem Herbstfest und dem Beerenfest – kennen. Die Schülerinnen und Schüler können sich dabei in verschiedenen Bereichen, wie Tischdekoration oder Kartoffel- und Beerenernte, einbringen. „Das Schöne daran ist, dass es jedes Jahr für den ganzen Jahrgang stattfindet. Wir wollen, dass jeder mal damit in Kontakt kommt“, betont Brummel. Trotzdem basiert das naturnahe Lernen auf Freiwilligkeit. Der Lehrer berichtet von Neunt- und Zehntklässlern, die auf ihn zukommen, weil sie gerne mal wieder draußen aktiv sein wollen. Willkommen seien alle. „Das sind total schöne Momente, wenn sich die Schüler in den Gesprächen öffnen. Das hat man so eigentlich bei nichts anderem“, so der Lehrer.
Manuela Rückert, Fachlehrerin für „Ernährung und Soziales“ und „Werken und Gestalten“, betont: „Es ist wirklich alles ineinandergreifend.“ Eier, die morgens gesammelt werden, werden später in der Schulküche verarbeitet. Der selbst gemachte Honig wird beim Pausenverkauf verkauft und vom geernteten Obst und Gemüse profitieren nicht nur die Schülerinnen und Schüler – auch die Hasen und Hühner bekommen etwas ab. Und auch Teamwork und Zusammenhalt zwischen den Schülerinnen und Schülern werden gestärkt.
„Ich finde den Acker cool, da kann man richtig arbeiten“, sagt Max aus der siebten Klasse, der seine Mitschülerinnen und Mitschüler sogar mit Hintergrundinfos zur Landwirtschaft versorgt. Denn seine Familie besitzt 30 Hühner; zwei Schulhühner sind von dort in den Schulgarten umgezogen.
Die Tiere sind besonders beliebt und haben eine beruhigende Wirkung. „Da haben wir bemerkt, dass es sehr hilfreich ist, bei Kindern mit ADHS oder Autismus-Spektrum tierpädagogisch zu arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler zieht es automatisch dorthin. Die wollen dort sein“, sagt Erik Brummel. Und auch von Schülerin Mariell ist das Hasengehege der Lieblingsbereich. „Das beruhigt mich voll“, sagt sie.
Seit vier Jahren besteht die Möglichkeit, an der Schule ein freiwilliges ökologisches Jahr zu absolvieren. Dieses Jahr unterstützt Tristan in diesem Rahmen das Projekt. Ohne seine Unterstützung würde es nicht funktionieren, sagt Brummel. Finanziell wurde der Schulbauernhof bis vergangenes Jahr vom Umweltsenat der Stadt Erlangen unterstützt. Aufgrund von Sparmaßnahmen der Stadt wurde diese Unterstützung jedoch gestrichen. Brummel und Rückert sehen das Projekt durch die fehlenden Einnahmen gefährdet. Sie hoffen deshalb, dass mithilfe von Spenden- und Fördergeldern auch in Zukunft geackert, geerntet, gebaut und geimkert werden kann.
Bildunterschriften:
Die Lehrkräfte Erik Brummel (Mitte) und Manuela Rückert (rechts) mit FÖJler Tristan (links) zusammen mit Schülern und Schülerinnen auf dem schuleigenen Acker. Foto: Miriam Boigs
An der Eichendorffschule in Erlangen lernen Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Hasen. Auch Kindern mit ADHS oder Autismus-Spektrum hilft der Kontakt mit Tieren.
ERLANGEN Stadt & Land – EN / Dienstag, 27. Oktober 2026, Seite 27
Text: MIRIAM BOIGS
Foto: MIRIAM BOIGS