Eichendorffschule setzte sich in „Der Mädchenbrief“ mit Mobbing und Geschlechterrollen auseinander.
„Der Mädchenbrief muss auf die Bühne!“ Mit diesen Worten wurde das Publikum in die Vorstellung der Theaterwerkstatt der Eichendorffschule eingeführt. Bevor es losging, wurden neben Danksagungen auch ein wenig Hintergrundwissen zum Stück ausgesprochen. Der titelgebende „Mädchenbrief“ basiert auf einem tatsächlichen Brief, den ehemalige Schülerinnen an die Jungs der Eichendorffschule schrieben, ehe sie dort ihren Abschluss machten. Darin äußern sich die Absolventinnen gegen Mobbing und bekräftigen einen respektvollen Umgang mit den Mädchen, die die Schule besuchen.
Doch die hauptsächliche Botschaft der Theatergruppe war nicht nur die gleichberechtigte Behandlung von Mädchen und Jungen – hier im Kontext einer Schule –, sondern auch die Auseinandersetzung mit stereotypen Geschlechterrollen. Wichtigster Handlungspunkt des nachgestellten Schulalltags in der Eichendorffschule war, als der Mädchenbrief dann tatsächlich vorgelesen wurde. Das daraufhin folgende Verständnis für das jeweils andere Geschlecht entschied letztendlich über das abschließende Fazit der Schülerinnen und Schüler auf der Theaterbühne. Dabei fiel vor allem der gesellschaftliche Druck in ein lächerliches Licht; dieser hält nach gemeinsamer Erkenntnis das Potenzial einer sich gegenseitig respektierenden Gemeinschaft am meisten zurück. Diese abschließenden Worte erhielten auch große Zustimmung seitens der Zuschauenden.
Das Publikum im Theater in der Garage war recht klein und dadurch sehr familiär. Das lockerte auch gleichzeitig die Gesamtstimmung und brach die „vierte Wand“ schon von Anfang an auf. Ein paar nicht zu verhindernde Patzer fielen eher positiv auf, denn generell setzte die Inszenierung viel auf Interaktionen mit dem Publikum und reichliche Szenen, die frei improvisiert werden konnten. Dadurch fiel die Vorstellung in ein charmantes Hin und Her zwischen den Schauspielenden und den Familien in den Zuschauerrängen. Damit die wertvolle Botschaft auch nach dem Stück nicht in Vergessenheit gerät, wurde am Schluss der Brief beim Verlassen der „Garage“ an das Publikum verteilt.
EN / Dienstag, 4. August 2026, Seite 32
Bildunterschrift:
Gleichberechtigte Behandlung von Mädchen und Jungen im Kontext einer Schule: Szene aus „Der Mädchenbrief“, gespielt von der Eichendorffschule.
Foto: Harald Hofmann
TEXT: NEELE MAXEINER