Schule als lernende Organisation

Der Schulentwicklungsprozess "Eine Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungsort" erstreckt sich bis dato über einen Zeitraum von vier Jahren. Er war von der Schulleitung initiiert und anfangs stark deduktiv. Wenige Kolleginnen und Kollegen waren in die Ausarbeitung des Konzepts eingebunden.

Im Schuljahr 2016/17, dem zweiten Jahr der Umsetzung, ist der Prozess in der Mitte des Kollegiums angekommen und die Maßnahmen haben eine hohe Komplexität, aber auch Klarheit angenommen. Es war also an der Zeit, den Prozess in eine erweiterte Verantwortung zu geben und die Implementierung effektiver zu gestalten. Die im Oktober 2016 eingerichtete Steuergruppe "Schulentwicklung" besteht aus zehn Personen, darunter sind auch die Leiter der Lernbüroteams. Die Schulleitung ist ebenfalls Teil der Gruppe, was eher untypisch ist, aber von den Mitgliedern als notwendig und sinnvoll erachtet wird.

Im Rahmen einer Konferenz wurden die Gruppenmitglieder und ihr Auftrag dem Kollegium bekannt gemacht. Es wurde zudem betont, dass die Gruppe grundsätzlich offen ist. Arbeitsschwerpunkte sind die Umsetzung der Lernbüroarbeit und des Projekts "Verantwortung" im Schuljahr 2017/18 sowie ein Hospitationsprogramm mit Schulen in Celle und Berlin.


Das Prädikat FAU | SCHULE innovativ wird an Schulen vergeben, die in Projekten mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg in innovativer Weise die Schulentwicklung und die Unterrichtsarbeit profilieren und Impulse für die universitäre Lehrerinnen- und Lehrerbildung und Forschung geben.

Mit unserem Bildungskonzept "Eine Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungsort" ist es uns gelungen, dieses Prädikat zu erhalten. Als FAU I Schule innovativ sind wir Teil des FAU I SchulNETZ und profitieren u.a. von der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts "Herausforderung" durch das Zentrum für Lehrerinnnen- und Lehrerfortbildung.


Die Aufgaben von Schule sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Organisation von Ganztagsklassen, die Kooperation mit Jugendsozialarbeit an Schulen oder aktuell die Beschulung von Flüchtlingen sind nur wenige Beispiele. Dabei gibt es eine problematische Zuspitzung auf den Schulleiter und seinen Stellvertreter als die rechtlichen, organisatorischen und pädagogischen Verantwortlichen. Wir verstehen die Schule als "Gemeinschaft von Verantwortlichen" und haben acht Bereiche mit besonderen Aufgaben definiert, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem hohen Maße eigenverantwortlich betreut werden.

Personen und Bereiche sind in einem Organigramm beschrieben. Das System der Bereichskoordinatoren stellt aber nur einen Kompromiss dar. Mittelfristig muss es zum Aufbau einer mittleren Führungsebene kommen. Mitarbeiter in der Schulleitung sollten dann angemessen entlohnt werden, durch Anrechnungsstunden oder Zulagen, und sie sollten in ihrem definierten Bereich weisungsbefugt sein.

Darüber hinaus könnte eine erweiterte Schulleitung aus vier Personen bestehen: Schulleiter, Schulleiterstellvertreter, Stufensprecher/-in Eingangsstufe (5-7) und Stufensprecher/-in Ausgangsstufe (8-10).


Die sechs miteinander verbundenen Gebäudeteile unserer Schule erinnern stark an Trakte von Krankenhäusern oder Kasernen. So baute man in den 60er-Jahren eben auch Schulen, wenig förderlich für die Idee einer modernen Ganztagsschule. Wir versuchen das Beste daraus zu machen und setzen der Macht des architektonisch Faktischen die Idee der Lernhäuser entgegen.

Im Schuljahr 2020/21 werden 400 Schülerinnen und Schüler in sechs Lernhäusern lernen. In den Lernhäusern A, B und C die Fünft-, Sechst- und Siebtklässler, in D, E und F die Acht-, Neunt- und Zehntklässler. In jedem Lernhaus werden drei Klassen sein.

Jedes Lernhaus verfügt über drei Klassenzimmer und einen vierten Raum zur Differenzierung und als Teamraum. In den Häusern C bis F sind die Lernbüros in diese Räume integriert. Die veraltete Einrichtung wird in den nächsten vier Jahren gegen flexibles Mobiliar ausgetauscht. In A und B ist das bereits geschehen. Die IT-Technik wird standardisiert. Geplant sind Einheiten aus PC, Doku-Kamera und Beamer, einem interaktiven Beamer mit Whiteboard pro Lernhaus und W-LAN für BYOD-Nutzung durch Smartphones.

Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer in den Lernhäusern werden mehr Verantwortung für gemeinsames Lernen, Erziehung und Organisation tragen. Es gibt z.B. einen Lernhaussprecher, ein kleines Budget für Bauunterhalt. Jedes Lernhaus ist für die Durchführung einer Themenwoche mit Vollversammlung verantwortlich.


Führt das Lernen in der Lernwerkstatt Mathematik zu einer Leistungssteigerung oder sind die Säulen der Sozialerziehung an unserer Schule wirksam? Schulqualität ist schwer zu bestimmen und noch schwerer zu messen. Um dennoch sicherzustellen, dass wir auf einem guten Weg sind, ist es im Rahmen unseres Schulentwicklungsprozesses unverzichtbar, uns selbst als Schule laufend zu hinterfragen. Dazu arbeiten wir eng mit Experten, wie der Schulpsychologin i.R. Dr. Christine Enders oder Dr. Klaus Wild vom Lehrstuhl für Schulpädagogik der EWF zusammen.

Gemeinsam entwickeln wir beispielsweise Fragebögen, die durch diese kooperative Zusammenarbeit nach den Gütekriterien empirischer Forschung konzipiert sind. So konnten wir aussagekräftig evaluieren, wie die Veränderungen im gebundenen Ganztag greifen oder ob der Trainingsraum als sozialerzieherisches Element wirksam ist. Auch die Schulleitung erhält durch anonymisierte Einschätzungen aus der Schulfamilie Rückmeldung, wie ihre Tätigkeit gesehen wird, um notwendige Veränderung gezielt vornehmen zu können.

Die interne Evaluation wird künftig noch stärker in den Fokus rücken und im Sinne einer wahrnehmungsorientierten Schulentwicklung eine tragende Säule sein, die den Prozess unserer Veränderung begleitet und die Qualität unseres pädagogischen Handelns gewährleistet.


Der Schulbeirat der Eichendorffschule ist ein Gremium mit beratender Funktion für die Schulleitung. Er dient der Nutzung externen Sachverstandes bei der Entwicklung der Schule hin zu einer "Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungsort". Die vier Beiräte sind Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen mit ausgewiesenen Kompetenzen und hohem Ansehen. Ihnen ist gemein, dass sie zwar eine ausgeprägte Beziehung zur Eichendorffschule und ihrer Schulleitung haben. Jedoch verfügen sie auch über die notwendige Distanz und Professionalität, um wohlwollend und kritisch zugleich zu beraten.

Frau Bertie Nonhoff leitete über viele Jahre das Staatliche Schulamt der Stadt Erlangen und ist nach wie vor sehr anerkannt und geschätzt in der Schulaufsicht. Herr Volkmar Weinhold gilt als leidenschaftlicher Pädagoge und Schulentwickler mit fundiertem Wissen, festen Überzeugungen und hoher Reputation. Dr. Leopold Klepacki stärkt das wissenschaftliche Profil des Beirats. Er lehrt am Lehrstuhl für Pädagogik II der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Unser umfassendes Bildungskonzept trägt maßgeblich seine Handschrift. Herr Heinz Brenner ist Leiter des Regionalreferats Erlangen/Nürnberg der Siemens AG und ein profilierter Öffentlichkeitsarbeiter und Netzwerker. Ihm verdanken die Mittelschulen in Erlangen das wertvolle Technik-Projekt "HochSpannung".